Starke Frauen des Glaubens – kfd-Monatstreffen in Lindenholzhausen
Die Theologin Eva Knöllinger-Acker, langjährige Referentin der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Limburg (KEB), sprach über drei beeindruckende Frauengestalten der Kirchengeschichte: Hildegard von Bingen, Elisabeth von Thüringen und Edith Stein. Eingeladen hatte die Vorsitzende der kfd Lindenholzhausen, Maria Löw, zu diesem Nachmittag im Rahmen der monatlichen Treffen der Frauengemeinschaft.
In gemütlicher Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen führte Knöllinger-Acker die Zuhörerinnen auf eine Zeitreise durch Jahrhunderte weiblicher Spiritualität und Selbstbehauptung. Sie machte deutlich, wie diese drei Frauen ihren Glauben, ihre Überzeugungen und ihre Tatkraft in einer männlich dominierten Welt behaupteten, zu Zeiten, in denen Frauen kaum öffentlich in Erscheinung treten durften.
Hildegard von Bingen, Benediktinerin, Mystikerin und Universalgelehrte des 12. Jahrhunderts, ließ sich trotz kirchlicher Hierarchien und gesellschaftlicher Schranken nicht mundtot machen. Sie schrieb theologische, medizinische und naturkundliche Werke, korrespondierte mit Päpsten und Kaisern und wurde schon zu Lebzeiten als „Prophetin vom Rhein“ verehrt. Ihre Visionen verband sie mit einer klaren Stimme für Verantwortung, Frieden und Schöpfungsbewahrung, Themen, die bis heute nichts an Relevanz verloren haben.
Elisabeth von Thüringen, geboren als ungarische Königstochter, entschied sich am Beginn des 13. Jahrhunderts gegen höfischen Glanz und für ein Leben im Dienst der Armen. Nach dem frühen Tod ihres Mannes verließ sie Schloss und Hof, gründete ein Hospital und pflegte Kranke eigenhändig. Ihr Handeln, geprägt von tiefer Nächstenliebe und sozialem Engagement, war ein stiller, aber deutlicher Widerspruch gegen die Machtstrukturen ihrer Zeit.
Edith Stein schließlich, Philosophin, Jüdin und spätere Karmelitin, verkörpert das Ringen um Wahrheit, Vernunft und Glauben in der Moderne. Nach ihrer Promotion bei Edmund Husserl, dem Begründer der Phänomenologie, arbeitete sie als dessen Assistentin, was für eine Frau jener Zeit eine Ausnahme war. Ihre Versuche, sich an einer deutschen Universität zu habilitieren, scheiterten, weil Frauen im akademischen Lehrbetrieb noch kaum zugelassen waren. 1932 erhielt sie schließlich eine Dozentenstelle am kirchlich getragenen Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster, das eng mit dem universitären Umfeld verbunden war. Dort lehrte sie Philosophie und Pädagogik, bevor sie 1933 infolge der nationalsozialistischen Gesetzgebung ihr Amt niederlegen musste. Im Jahr 1942 wurde sie in Auschwitz ermodet. Ihr Lebensweg steht beispielhaft für die Hürden, die Frauen in Wissenschaft und Kirche überwinden mussten, und für die Beharrlichkeit, mit der sie dennoch ihren Weg gingen.
Im anschließenden Gespräch wurde spürbar, wie sehr diese Frauen auch heute noch inspirieren. „Diese Frauen sagen uns: nicht aufgeben! Auch unsere Anliegen werden einmal erreicht werden“, meinte eine Teilnehmerin. Eine andere ergänzte: „Wir dürfen uns gelegentlich auch freuen, denn wir haben bereits einiges erreicht: in der Gesellschaft und sogar in der katholischen Kirche, was die Gleichstellung von Mann und Frau betrifft.“
So wurde der Nachmittag im Pfarrzentrum St. Jakobus mehr als nur ein Vortrag. Er wurde zu einem lebendigen Erinnern an Frauen, die mit Mut, Klugheit und Glauben Grenzen überschritten und deren Stimmen bis heute ermutigen, für sich und andere einzustehen.