Brücken statt Mauern – Geschichten gegen den Hass

Nahostexperte Igal Avidan sprach in Limburg über jüdisch-arabisches Zusammenleben

Auch in einem Land, das seit Jahrzehnten von Konflikten geprägt ist, gibt es Orte des Friedens. Davon berichtete der deutsch-israelische Journalist und Politologe Igal Avidan am Freitagabend im Kolpinghaus Limburg. Mehr als 50 Besucherinnen und Besucher lauschten seinen eindrucksvollen Schilderungen über Menschen in Israel, die sich nicht vom Hass bestimmen lassen. In seinem Buch „… und es wurde Licht!“ erzählt Avidan Geschichten von Begegnungen, in denen Juden und Araber, allesamt Menschen aus Israel, einander zuhören, voneinander lernen und gemeinsam Zukunft gestalten.


Miteinander

Zu Beginn des Abends begrüßte Marion Schardt-Sauer, Vorsitzende der Kolpingfamilie Limburg, die Gäste und dankte den Kooperationspartnern. Sie betonte, wie wichtig Orte der Begegnung und des Dialogs seien, gerade in Zeiten, in denen Polarisierung und Gewalt den öffentlichen Diskurs bestimmten. „Wir brauchen Geschichten, die zeigen, dass Miteinander möglich ist. Nur so wächst Frieden, im Kleinen wie im Großen“, sagte sie.

Avidan stellte anschließend Beispiele aus seinem Buch vor, die von Mut und Vertrauen erzählen.


Beispiele gelebter Verständigung

So etwa die jüdische Schuldirektorin aus Haifa, die mit einer arabischen Kollegin ein gemeinsames Bildungsprojekt gründete, um Kinder beider Sprachen und Kulturen früh miteinander vertraut zu machen. Oder auch Uri Buri, Starkoch aus der Hafenstadt Akko im Norden Israels. Buris Restaurant und Hotel wurden 2021 während der seinerzeit größten Unruhen in Israel in Brand gesetzt. Anstatt sich vom Hass der Täter leiten zu lassen, eröffnete der weit über siebzigjährige Koch sein Restaurant wieder und beschäftigt dort Juden, Muslime und Christen. „Er lebt Versöhnung ganz praktisch, jeden Tag“, sagte Avidan.

 

Mut inmitten der Gewalt

Eine andere Geschichte handelt von Fadi Kassem, einem arabischen Krankenpfleger, ebenfalls aus Akko, der 2021 einem jüdischen Mann das Leben rettete, der von einem wütenden Mob aus seinem Auto gezerrt und schwer verletzt worden war. Kassem schützte ihn mit seinem eigenen Körper, bis die Rettungskräfte eintrafen. Eine Woche später besuchte er den Verletzten im Krankenhaus. Beide Männer umarmten sich, sie blieben in Kontakt und wurden zum Symbol dafür, dass Mitmenschlichkeit stärker ist als Angst.


Verantwortung füreinander

„Die Menschen, die ich getroffen habe, leben mitten im Konflikt“, erklärte Avidan. „Aber sie weigern sich, Feinde zu werden. Sie übernehmen Verantwortung – füreinander.“ Diese Haltung sei heute wichtiger denn je, sagte der Journalist mit Blick auf die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. „Wichtig ist es, in Deutschland diejenigen zu unterstützen, die etwas für den friedlichen Austausch tun.“


Zeichen der Hoffnung

Am Ende seiner Lesung berichtete Avidan von einer berührenden Geschichte, die Mut macht. Am 7. Oktober 2023, dem Tag der Terrorangriffe auf Israel, retteten vier Beduinen in der Negev-Wüste mehreren jüdischen Familien das Leben. Sie holten Verletzte aus den Autos, brachten sie in Sicherheit und riskierten dabei ihr eigenes Leben. Für ihren selbstlosen Einsatz wurden sie vor zwei Wochen in Jerusalem mit dem „Mount Zion Award“ ausgezeichnet, dem Friedenspreis der Benediktiner. Nicht die Todesgefahr, in der sie sich befunden hätten, habe bei ihrer Entscheidung im Vordergrund gestanden, sondern der Gedanke daran, dass das Leben der anderen nicht weniger wert sei als das eigene, so die Beduinen. Für Avidan sind diese Lebensretter ein Beispiel dafür, dass die Menschlichkeit selbst im Angesicht größter Brutalität bestehen bleibt.


Frieden beginnt mit Bildung

Zum Abschluss des Abends knüpfte Simone Schupp, Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung Limburg und Wetzlar, Lahn-Dill Eder (KEB), an die Botschaften Avidans an. Sie dankte dem Referenten nicht nur für seinen eindrucksvollen Vortrag, sondern auch für den Mut, mit dem er Hoffnung verteidige. „Avidans Geschichten zeigen, dass Frieden keine große Politik, sondern gelebte Haltung ist“, sagte Schupp. Bildung, so fügte sie hinzu, sei der Schlüssel dazu: „Bildung ist der Weg, die Welt zu verändern. Sie befähigt uns, die Perspektive des anderen einzunehmen – und genau dort beginnt der Frieden.“

Die Veranstaltung war eine Kooperation der Kolpingfamilie Limburg, der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Limburg (GCJZ) und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

 

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