Limburg - Staffel

Ein letztes Osterfest in der Staffeler Kirche

Nach 60 Jahren darf die Kirche „St. Josef“ in Staffel am 1. März 2027 nicht mehr als Gotteshaus genutzt werden.

Ein Bericht von Dieter Fluck aus der Nassauische Neue Presse von Mittwoch, 08. April 2026

In der Osternacht schwang bei aller Freude über die Auferstehungsfeier bei den Gläubigen des Kirchorts „St. Josef“ Staffel das schmerzhafte Gefühl mit, dass sie das höchste und wichtigste Fest der katholischen Kirche zum letzten Mal in ihrem eigenen Gotteshaus gefeiert haben. Vom 1. März 2027 an darf die Kirche wegen ihres maroden Dachs nicht mehr genutzt werden. Das Gebäude ist nach Einschätzung der „Kirchlichen Immobilienstrategie (KIS)“ in der Gesamtbetrachtung nicht mehr notwendig. In den kommenden Monaten wird über die Weiterverwendung beraten.

Es waren überwiegend katholische Heimatvertriebene und Flüchtlinge, die das evangelisch geprägte Dorf Staffel an der Lahn nach dem Zweiten Weltkrieg wachsen ließen und auch ihre Heimat in einer eigenen Kirche suchten. Ihre große Opferbereitschaft führte zum Bau der stattlichen Pfarrkirche „St. Josef“, die an der Ecke Koblenzer Straße/Hans-Wolf-Straße errichtet wurde, mit Toni Held noch einen eigenen Pfarrer hatte und im September 1967 von Bischof Wilhelm Kempf eingeweiht wurde. Heute heißt es nach 60 Jahren, dass die komplette Dachsanierung weit mehr als eine Million Euro kosten würde, die nicht zur Verfügung stünden. Zudem stehe der Aufwand in keinem Verhältnis zu der rückläufigen Zahl der Gottesdienstbesucher.

Wie Michael Ries, Verwaltungsleiter der Großpfarrei „Heilige Katharina Kasper Limburger Land“ im aktuellen Pfarrbrief mitteilt, haben Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat dem Vorschlag der KIS-Gruppe schweren Herzens zugestimmt, die Veräußerung des Gebäudes einzuleiten. Damit biegt eine lange, teils abenteuerliche vergebliche Suche nach dem rechten Weg auf die Zielgerade. Schon im März 2007 titelte diese Zeitung: „Die Entscheidung ist gefallen: Kirche ,St. Josef’ ist dem Abriss geweiht.“ Hintergrund war damals der Prozess „Sparen und Erneuern“, der unter Bischof Franz Kamphaus eine drastische Reduzierung der kircheneigenen Immobilien vorsah. „Dadurch sollen eine frühzeitige Anpassung an die veränderte Mitglieder- und Finanzentwicklung erreicht und eine nachhaltige Zukunftsfähigkeit der kirchlichen Arbeit sichergestellt werden“, hieß es in der Begründung.

Schneemassen sorgten 2010 für Schließung

Das Bistum hatte zudem entschieden, von 2008 an die Finanzzuweisung für die Kirchengemeinde radikal zu reduzieren. Die laufenden Betriebskosten in Staffel lagen rund 30.000 Euro über dem Budget für eine Pfarrgemeinde gleicher Größe. Damals zählten noch etwas mehr als 1000 Katholiken zur Staffeler Gemeinde „St. Josef“, von denen sonntags knapp 100 Schäfchen den Gottesdienst besuchten. Ende 2025 waren es nach Auskunft des Pfarrbüros noch 862 Katholiken, von denen im Schnitt 34 Personen den Sonntagsgottesdienst besuchten.

Nach einem intensiven Diskussions- und Entscheidungsprozess hatten sich vor 20 Jahren die örtlichen Gremien auf einen Neubau von Kirche und Gemeinderäumen festgelegt. Abbruch und Ersatz in kleinerem Umfang wurden mit einer Million Euro veranschlagt und 2009 von sieben beauftragten Architekturbüros die Pläne des Büros Dornoff aus Usingen vorgestellt. Der Neubau sah auf dem Gelände der jetzigen Kirche einen etwa 200 Quadratmeter großen Gottesdienstraum vor, der durch Abtrennung des Altarbereichs auch als Pfarrsaal genutzt werden konnte. Hinzu kamen ein Gruppenraum sowie Büro- und Nebenräume. Der Glockenturm sollte bestehen bleiben. Als nächster Schritt werde ein Zeitplan für die Bauphase entwickelt, hieß es.

Im Dezember 2010 erreichte die Gemeinde wieder eine Hiobsbotschaft. Das Limburger Diözesanbauamt hatte in Abstimmung mit der Bauaufsicht der Stadt Limburg und nach Gesprächen mit der Kirchengemeinde das Gebäude geschlossen. Die Maßnahme wurde mit den großen Schneemengen und den Wetterprognosen begründet. Es bestehe akute Gefahr, dass das Dachtragwerk der Belastung nicht standhält. An Weihnachten durfte die ausgeschlossene Gemeinde ihre Gottesdienste in der evangelischen Kirche feiern. Das Dach sollte von einem Sachverständigen untersucht werden, sobald der Schnee geschmolzen ist.

2012 war das Schnee von gestern: Im Juni glaubten die Kirchgänger, dass ihre Gebete für den Erhalt ihres Wahrzeichens erhört wurden. Bei seiner Visitation hatte Bischof Tebartz-van Elst den Gläubigen von „St. Josef“ mitgeteilt: „Ich bin erfreut, dass nach gründlicher Prüfung das ortsbildprägende Ensemble aus Kirchturm und Kirchengebäude als Zeugnis katholischen Glaubens erhalten bleiben kann.“ Er sprach davon, dass der Abbruch einer Kirche immer das letzte Mittel sei und verglich den überragenden schmalen Glockenturm mit dem „Fingerzeig Gottes in der Welt“. „Nähe vor Ort“ sei der Leitgedanke, der nicht nur bei pastoralen Planungen zugrunde liege, sondern auch bei baulichen Entscheidungen“, war das Credo des später geschassten Oberhirten.

Die fachliche Begründung lieferte der damalige Diözesanbaumeister Tilmann Staudt. Danach war bereits in der Bauzeit der 1960er-Jahre die ursprüngliche Holzdachkonstruktion nach einem Schadensfall vorsorglich zusätzlich stabilisiert worden. Diese Stabilisierung könne durch entsprechende bauliche Maßnahmen so weit verbessert werden, dass der dauerhafte Bestand des Daches gesichert sei, so die damalige Version. Seitdem wird das Dach zum Schutz der Gottesdienstbesucher durch ein Gerüst mit erheblichem Kostenaufwand verstärkt.

Großes Gerüst im Kirchenraum sichert Dach

Die Pfeifenorgel war mit Blick auf den vorher geplanten Abbruch bereits ausgebaut und verscherbelt worden. Das einzig Gute: Die eingetretene Grabesstimmung nahmen junge Leute im Jahr 2013 zum Anlass, mit der Gründung der Band „BÄMD!“ zum Lobe Gottes musikalischen Schwung in die Kirche zurückzuholen. Dank großzügiger Spenden und dem persönlichen Einsatz von Pfarrer Gereon Rehberg hatte 2015 wieder eine Pfeifenorgel eingebaut werden können. Wegen der großen steilen Treppe war ein Aufzug eingebaut worden. In Eigeninitiative waren mit großem Aufwand der aktiven Mitglieder neben dem Pfarrsaal eine moderne Küche und vorbildliche sanitäre Anlagen eingebaut worden.

Nach der Zusage, dass durch entsprechende bauliche Maßnahmen das Dach stabilisiert werden könne, sichert ein groß dimensioniertes Gerüst die Decke ab. Seitdem wartete die Gemeinde auf die angekündigte Ertüchtigung der Dachkonstruktion. Aber das erhoffte Wunder blieb aus. Im Dezember 2023 wurde die Kirche abermals wegen möglicher Einsturzgefahr geschlossen und Ende Dezember 2023 wieder geöffnet. Nun kam ein zweites Gerüst dazu, sodass alle Gottesdienste bis heute wie auf einer Baustelle gefeiert werden. Die Genehmigung für diese Form der umfangreichen Absicherung läuft nach Angaben von Verwaltungsleiter Michael Ries nach jahrelanger Verlängerung am 28. Februar 2027 endgültig aus. Von einem Ersatzneubau ist inzwischen keine Rede mehr.

Nach der aktuellen Klassifizierung werden nun für mögliche Investoren des Kirchengebäudes Baupläne herausgesucht und eine dem Bauwerk angemessene Neuverwendung angestrebt. Zudem wird ausgelotet, ob die ebenfalls von Sparprozessen betroffene evangelische Gemeinde den Katholiken in ihrer Kirche und dem Gemeindehaus Asyl gewährt. An Weihnachten 2010 hatte es bereits gut funktioniert.

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