Kirchliche Immobilienstrategie (KIS) - Stand 11/2025
Liebe Gemeindemitglieder,
sinkende Mitgliederzahlen, demographischer Wandel, weniger Taufen und damit einhergehend auch deutlich weniger finanzielle Mittel und Spielräume. Diese Entwicklungen machen auch um unsere Pfarrgemeinde Heilige Katharina Kasper Limburger Land keinen Bogen. Wie gehen wir angesichts dieser Trends mit dem über Jahrzehnte gewachsenen Gebäudebestand um? Welche Konzepte von Seelsorge ermöglichen es, die Botschaft von Gottes Liebe zu allen Menschen und seine Vision einer friedvollen, gerechten Welt für alle auch unter veränderten Bedingungen weiter unter die Leute zu bringen?
Diese Fragen bewegen uns und viele Pfarreien in unserem Bistum. In Bezug auf den Gebäudebestand hat das Bistum das Projekt: „Kirchliche Immobilienstrategie“ ins Leben gerufen. Damit will das Bistum Pfarreien bei der Neuausrichtung ihres Gebäudebestands unterstützen, damit sie auch künftig ausreichend Mittel haben, um eine menschennahe Pastoral vor Ort gestalten zu können.
Die Erfassung unserer Gebäude: Phase 1 - Datenerhebung
Direkt nach Pfarreigründung entschied sich der neue Verwaltungsrat einstimmig, an dem KIS Projekt teilzunehmen. Nicht zuletzt ist die Teilnahme der Pfarrei am KIS Projekt nötig, um auch zukünftig Bauzuschüsse des Bischöflichen Ordinariats zu erhalten. Im September 2024 schlossen wir die erste Phase ab. In dieser haben wir als Pfarrgemeinde eine umfassende Datenerhebung durchgeführt, um ein genaues Bild der vorhandenen Immobilien zu erhalten. Hierbei wurden alle Gebäude durch eine externe Fachfirma dokumentiert sowie der bauliche Unterhaltungszustand bewertet. Das Bistum Limburg hat eine Analyse zur demographischen Entwicklung erstellt. Auf dieser Basis wurde eine mögliche demographische Entwicklung für unsere Pfarrei abgeleitet.
Gemeindezentren, Kirchen, Pfarrhäuser oder Kindertagesstätten: Unsere Pfarrgemeinde unterhält 51 Gebäude inklusive Kindertagesstätten, welche im KIS-Prozess aber nicht klassifiziert werden. Deren Unterhalt wird für die Pfarrgemeinde zu einem immer größeren finanziellen Kraftakt. Schon jetzt kommen wir vereinzelt an unser Limit. Der mittelfristige Instandhaltungsrückstand beträgt ca. 5,5 Mio. Euro. Das heißt, in den nächsten 5 bis 10 Jahren müssten wir, unterstützt vom Bistum Limburg, ca. 5,5 Mio. Euro aufwenden, um unseren derzeitigen Gebäudebestand funktionsfähig zu erhalten. Im gleichen Zeitraum steht dem ein möglicher Rückgang der Katholiken und Katholikinnen aufgrund von Todesfällen, Austritten und weniger Taufen von derzeit 15.500 auf knapp 10.000 gegenüber. Ziel dieser Erhebung war es deshalb, eine möglichst solide Datenbasis für zukünftige Entscheidungen zu erhalten.
Dass der Trend des „Immer-weniger-Werdens“ auch uns als Pfarrei ganz konkret trifft, haben wir in den letzten Jahren erfahren. Das ist ein schmerzlicher Prozess. Doch wie auch immer diese Entwicklung weitergeht: Wir wollen den Mut nicht verlieren und mit Gottes Hilfe, mit allen Menschen guten Willens und allen Mitteln, die wir haben, die Zukunft unserer Kirche vor Ort gut gestalten.
Der Weg zur Vision: Phase 2 - Erstellung eines Immobilienkonzepts
Nachdem wir nun die notwendigen Daten zusammengetragen haben, treten wir in die zweite Phase unserer Strategie ein: Die Erstellung eines umfassenden Immobilienkonzepts.
Dieser Schritt ist von entscheidender Bedeutung, da er die Weichen für eine nachhaltige und ganzheitliche Entwicklung der kirchlichen Immobilien in unserer Pfarrei stellen wird. In dieser Phase wird in Zusammenarbeit mit den verschiedensten Gremien unserer Pfarrgemeinde ein pastorales Gebäudenutzungskonzept erarbeitet. In einer gesonderten Arbeitsgruppe, die aus Vertretern der Gremien, des Pastoralteams und aus Gemeindemitgliedern besteht, wird jedes unserer Gebäude bewertet. Dabei stehen Fragen nach den Anforderungen an die pastorale Arbeit und nach den vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen im Vordergrund. Am Ende wird jedes Gebäude klassifiziert, und das Nutzungskonzept wird den verantwortlichen Gremien (dem Pfarrgemeinderat und dem Verwaltungsrat) zur Entscheidung vorgelegt. Das Ziel ist es, den Herausforderungen der Zeit mit innovativen Ansätzen zu begegnen und gleichzeitig die bewährten Traditionen zu bewahren.
In dieser zweiten Phase werden wir als Pfarrgemeinde unterstützend begleitet von pastoralen und betriebswirt-schaftlichen Mitarbeiter/Innen des Bischöflichen Ordinariats. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es uns, auf einen breiten Erfahrungsschatz zurückzugreifen und mit einem Blick von außen die konkreten Bedürfnisse und Potentiale unserer Pfarrei zu berücksichtigen.
Die Erstellung eines Immobilien-konzepts bietet uns die Gelegenheit, den Wert unserer kirchlichen Gebäude strategisch zu nutzen. Durch eine kluge Planung können wir unsere rapide weniger werdenden Ressourcen optimal einsetzen und Synergien zwischen den verschiedenen Einrichtungen und Gemeinden schaffen.
Es soll an dieser Stelle aber nicht verschwiegen werden, dass auch wir uns von Gebäuden werden trennen müssen, weil wir sie nicht mehr unterhalten können – so wie wir das in unserer Umgebung in den letzten Monaten erfahren haben. Das wird uns nicht leichtfallen.
Doch nicht nur ökonomische Aspekte stehen im Fokus. Das Immobilien-konzept wird auch die pastorale Ausrichtung berücksichtigen, um unsere verbleibenden Kirchen, Gemeindehäuser und anderen Gebäude als zentrale Anlaufpunkte für die Gemeinschaft zu stärken. Es geht darum, die Gebäude als Orte des Glaubens und als Begegnungsorte für Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen zu gestalten.
Wir sind überzeugt, dass eine strategische Planung und ein gemeinschaftlicher Ansatz es uns ermöglichen werden, eine gute Zukunft für unsere Gemeinschaft zu gestalten.
Jede Idee und jedes Engagement zählen, um unsere Vision von einer lebendigen, offenen und vielfältigen Kirche unter veränderten gesellschaftlichen, pastoralen und finanziellen Bedingungen zu verwirklichen.
Gemeinsam wollen wir ein Immobilienkonzept schaffen, das unsere Werte und Ziele widerspiegelt und den Bedürfnissen der Menschen in unseren Kirchorten und den Sozialräumen unserer Gemeinde gerecht wird. Es ist ein Weg, der uns sicher herausfordern wird. Aber wir sind davon überzeugt, dass er uns auch bereichern und stärken kann.
Michael Ries
für den Ausschuss KIS